Warum Untertauchen so schwer ist
Wasser im Gesicht fühlt sich ganz anders an als Wasser am Bauch. Es läuft in Nase und Mund, die Augen gehen von selbst zu, und für einen Moment sieht und hört man weniger. Das ist ein echter Kontrollverlust. Manche Kinder lachen darüber, andere weinen. Beides ist normal.
Die Angst ist also kein Zeichen, dass mit eurem Kind etwas nicht stimmt. Sie zeigt nur, dass dieser Schritt noch fehlt. Und der lässt sich üben.
Wie wichtig er ist, sagt Michael Dietel von Bäderland Hamburg im Gespräch mit der DAK: Traut sich ein Kind nicht, den Kopf unterzutauchen und die Augen zu öffnen, „macht ein Schwimmkurs noch nicht viel Sinn“.
Drei Regeln vorweg
Nie zwingen, nie tunken
Wer gegen seinen Willen untergetaucht wird, lernt vor allem eins: Wasser ist unheimlich. Das kostet Vertrauen, das ihr mühsam aufgebaut habt. Auch kein „Spaß“-Tunken unter Geschwistern.
Euer Kind entscheidet
Ihr macht Angebote, euer Kind wählt. Wer selbst bestimmt, wann der Kopf ins Wasser geht, traut sich mehr. Drängen nimmt den Spaß am Wasser, und der ist das Wichtigste.
Immer in Reichweite
Auch in der Badewanne und im flachen Wasser. Kleine Kinder können schon in wenigen Zentimetern Wasser ertrinken, und das passiert leise. Deshalb bleibt bei jeder Übung ein Erwachsener direkt daneben.
In 6 Schritten zum Kopf unter Wasser
Die ersten Schritte klappen zuhause in der Badewanne oder unter der Dusche. Für die letzten braucht ihr ein Schwimmbad.
Wasser über den Kopf
Mit einem Becher Wasser über den Hinterkopf gießen, dann über die Stirn. Euer Kind darf den Becher auch selbst halten. Ein gutes Zeichen laut Bäderland Hamburg: Euer Kind lässt Wasser 10 bis 15 Sekunden über Gesicht und Haare laufen.
Blubbern mit dem Mund
Mund ins Wasser und pusten, bis es blubbert. Wer blubbert lauter, wer länger? Kinder merken dabei schnell: Solange ich puste, kommt kein Wasser in den Mund.
Nase und Kinn ins Wasser
Erst die Nasenspitze, dann das Kinn, dann Mund und Nase zusammen. Durch die Nase ausatmen oder summen hält das Wasser aus der Nase.
Das ganze Gesicht, ganz kurz
Gesicht ins Wasser, bis drei zählen, wieder hoch. Euer Kind zählt selbst und bestimmt das Tempo. Ein Handtuch in Reichweite beruhigt viele Kinder.
Augen auf unter Wasser
Ihr haltet ein paar Finger unter Wasser, euer Kind schaut nach und sagt die Zahl. Oder ein bunter Gegenstand liegt am Boden der Badewanne. Anfangs gehen die Augen nur kurz auf, das reicht. Schwimmausbilder nennen das Augenöffnen unter Wasser ein wichtiges Lernziel.
Ganz untertauchen und den Ring holen
Jetzt im Schwimmbad: einen Tauchring erst aus hüfttiefem Wasser holen, dann aus brusttiefem, dann aus schultertiefem. Schultertief ist genau die Tiefe aus der Seepferdchen-Prüfung.
Zwischen den Schritten können Tage oder Wochen liegen. Geht erst weiter, wenn der letzte Schritt Spaß macht. Und geht ruhig einen Schritt zurück, wenn es einmal nicht klappt.
🦆 Die ersten Schritte mit Flosse üben
In Kleine Flosse gibt es kurze Lektionen genau dafür: Gesicht waschen, Blubberblasen, Nasenspitze eintauchen und später Tauchen. Flosse die Ente erklärt, euer Kind macht nach, ihr seid dabei. Die ersten 3 Lektionen sind gratis.
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Und die Schwimmbrille?
Eine Schwimmbrille kann den Einstieg leichter machen, weil die Augen trocken bleiben und euer Kind unter Wasser etwas sieht. Aber: In der Seepferdchen-Prüfung ist sie nicht erlaubt. Laut Prüfungsordnung finden alle Prüfungen ohne Hilfsmittel statt, ausdrücklich auch ohne Schwimmbrille.
Viele Schwimmausbilder raten deshalb, möglichst ohne Brille zu üben, damit sich Kinder an Wasser in den Augen gewöhnen und sich auch ohne Brille unter Wasser zurechtfinden. Wenn ihr eine Brille nutzt, dann als Brücke: Sobald euer Kind mit Brille gern taucht, macht ihr die gleichen Übungen ohne.
Wenn es nicht vorangeht
- Pause machen. Ein paar Wochen nur planschen, ohne Übungen. Der Spaß am Wasser geht vor.
- Andere Person, anderer Ort. Manche Kinder trauen sich bei der Schwimmlehrerin mehr als bei Mama oder Papa. Ein Kurs zur Wassergewöhnung kann helfen.
- Mit anderen Kindern. Wer sieht, wie andere Kinder Ringe holen, will oft mitmachen.
- Große Angst ernst nehmen. Wenn die Angst sehr groß ist oder euer Kind auch außerhalb des Wassers stark belastet, sprecht mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt.
Mehr zu Angst vor dem Wasser allgemein: Wasserangst bei Kindern überwinden.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis mein Kind untertaucht?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Kinder brauchen ein paar Badewannenabende, andere mehrere Monate. Wichtiger als das Tempo ist, dass euer Kind den Spaß am Wasser behält.
Soll ich mein Kind einfach kurz untertauchen, damit es merkt, dass nichts passiert?
Nein. Untertauchen gegen den Willen des Kindes kann die Angst verstärken und Vertrauen kosten. Euer Kind entscheidet selbst, wann der Kopf ins Wasser geht.
Hilft eine Schwimmbrille gegen die Angst?
Sie kann den Einstieg erleichtern. In der Seepferdchen-Prüfung ist sie aber nicht erlaubt. Deshalb sollte euer Kind die gleichen Übungen bald auch ohne Brille machen.
Wie verhindert mein Kind Wasser in der Nase?
Durch die Nase ausatmen oder summen, solange das Gesicht unter Wasser ist. Das klappt am besten, wenn es vorher im Stehen geübt wurde.
Muss mein Kind für das Seepferdchen tauchen können?
Ja. Es muss einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser heraufholen. Beim Schwimmen in Bauchlage muss außerdem das Ausatmen ins Wasser erkennbar sein. Alle Anforderungen: Seepferdchen-Abzeichen.